Interview mit Ao.Univ. Prof. Dr. Thomas Olechowski im Hans Kelsen-Institut, Wien

Fragenkatalog: 1) Grundrechte sind in erster Linie Abwehrrechte des Bürgers gegenüber dem Staat. Wir sind hier im Hans Kelsen Institut in Wien der als Architekt der österreichischen Bundesverfassung gilt. Können Sie uns die Architektur der Rechtsordnung erklären und wo solche Grundrechte eingeschrieben sind? 2) In unserem Film Projekt ONE DAY HOME geht es Hauptsächlich um Fragen der Autonomie und der Unabhängigkeit von großen Netzwerken. Gibt es im Gesetz so etwas ähnliches wie die Wahrung der Autonomie oder Unabhängigkeit? Ich denke hier in erster Linie an die EU Saatgutverordnung wo es darum geht das nur mehr patentierte Samen ausgesät werden dürfen. Das Aussäen von Samen geht sehr weit zurück und hat den Ursprung am Übergang von Jäger und Sammler zu Ackerbau und Viehzucht, also eine sehr alte Form und Herangehensweise der Produktion. Wie verträgt sich so eine Beschränkung der Selbstversorgung mit unseren Grundrechten? 3) In der Türkei gibt es ein altes osmanisch-islamisches Gewohnheitsrecht, wonach ein Haus, das über Nacht auf öffentlichem Grund und Boden errichtet worden ist, nicht mehr abgerissen werden darf. Gibt es in unserem Recht so ein ähnliches Gewohnheitsrecht? 4) Hausbesetzungen/Squats sind in England legal. Wenn es gelingt, ohne Einbruch oder Sachbeschädigung in ein Gebäude einzudringen, hat man zumindest für eine gewisse Zeit das Recht dort zu wohnen. Wie sieht das in Österreich aus? Wir hatten in den 70er-Jahren ja auch einige Hausbesetzungen, wie die Arena und das WUK. Können wir auf dieselbe rechtliche Situation wie in England zurückgreifen? 5) Guerilla Gardening als subtiles Mittel politischen Protests und zivilen Ungehorsam im öffentlichen Raum gewinnt immer mehr an Bedeutung. Mit dem Protest verbindet man den Nutzen einer Ernte beziehungsweise einer Verschönerung trister Innenstädte durch Begrünung brachliegender Flächen. Es kann natürlich als Sachbeschädigung bestraft werden, in der Regel sehen die Gemeinden aber davon ab. Mich interessiert bei diesen und vielen anderen Aktionen, wer den Spielraum festsetzt, ab wann eine illegale Handlung gefahndet wird? 1) 6) Demokratie bedeutet im wesentlichen Volksherrschaft und zählt man die Merkmale auf wie freie Wahlen, das Mehrheitsprinzip, die Respektierung politischer Opposition, Verfassungsmäßigkeit, Schutz der Grundrechte u.a. so fällt einen sofort auf, welche Staaten keine Demokratie haben, wie zum Beispiel Russland. Warum glauben Sie gibt es in der Europäischen Union, die eine Vereinigung von Demokratien ist, so ein großes Demokratiedefizit das man manchmal Polemisch sagt, die Union sei so undemokratisch, das sie sich selbst nicht einmal beitreten könnte? 7) Wenn man in der Philosophie von Recht spricht taucht sehr oft der Begriff Freiheit auf wie zum Beispiel bei Emmanuel Kant. Bei Sokrates würde ich sagen ist Freiheit Recht zu haben und das bis zur letzten Konsequenz. Gilles Deleuze hat in einem Interview mit Claire Parnet gemeint: „...sich für Freiheit einzusetzen, revolutionär werden, heißt nichts anderes als Rechtsprechung zu betreiben. Recht wird dabei durch Rechtsprechung geschaffen und nicht durch Achtung der Menschenrechte und Gerechtigkeit“. Was will Deleuze damit aussagen? 8) Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gehört zu den Grundrechten des Menschen wie das Recht auf Leben, Freiheit und vieles mehr. Ist es nicht ein Widerspruch, das es bei einigen Energieträgern eine Deckelung bei Schadensfällen gibt, und damit verbunden, eine Sicherung der Gesundheit nicht mehr garantiert werden kann? Die Atomindustrie hat z.B. eine Haftungsbeschränkung, die zwischen 750 000 Mill. und 1,5 Milliarden liegt. Betrachten man aber die Betroffenen so würde das bedeuten das unter umständen nur Teil der Geschädigten einen Schadensersatz bekommen. Wie wird so etwas gehandhabt?

OVERVIEW One day home is an attempt to realise the dream of a self-built home - and for an individual to explore the possibilities of the use of public space, while nding a way to exploit social systems. A car park is, as the name suggests, an area intended for parking cars, but the project starts with the premise that it is a surface on which not only can cars be parked, but any moveable object. Our rst location, on which the house was built, is at the end of the Alliertenstrasse in the 2nd quarter of Vienna. The area is very urban, with a view of the Millennium Tower, a cafe, a bar, and a hot food stand, and is located at a junction which is very busy, with a constant stream of cars, trams, trains, cyclists and pe- destrians. This place stands in a relation to the local neighbourhoods/communities of Vienna, as such our friends, and also passers-by, were involved. The One Day Home would be built within 24 hours, and then carried away. The main themes of the project are issues of autonomy and independence from large networks, the ability for self-organization, and the demand for rights, in particular fundamental rights which protect the people against the state. Fundamental rights are closely linked to the idea of human rights, which nd their philosophical roots in the idea of natural rights, according to which there are „legal principles“ which are stronger than any law. As an example of these fundamental rights, we wanted to identify the „gecekondus“, a turkish term for an informal settlement or unplanned neighbourhood with simple accommodation buildings. Translated, the term „gecekondu“ literally means built overnight. According to an old Ottoman-Islamic customary law, a home that has been built on public land over night, may not be demolished. Similarly in England and Wales, occupying an uninhabited house, or „squatting“, was legal if it was pos- sible to enter the building without intrusion or causing any damage. This was closely linked to the the old Welsh tradition „Tŷ unnos“ (one night house), where it was believed by some that if a person could build a house on common land in one night, then that land belonged to them as a freehold. The test was to have a re burning in the hearth by the following morning. The second location we chose is the Attersee, because this place connects us to our childhoods in the 70‘s and 80’s. Due to the beautiful scenery and excellent water quality, property has always been in high demand here, and as such has become very expensive, with only the very rich being able to afford property close to the lake. For most people, therefore, direct access to the lake is almost impossible as these properties occupy both access to, and the shores, of the lake. To regain this access, we planned the One Day Home to be a oating home. The One Day Home has its own unique appearance, but it is built in such a way that it is in keeping with the local style. It has collapsable walls and roof panels, which later serve the functions of a jetty and a terrace, with direct bathing access on the lake. THE STORY... The lm, which was shot in real time over 48 hours, begins in Vienna in the 2nd Quarter at the end of Alliertenstrasse. The building material is delivered in the morning by a truck and the construction is ni- shed on the same day, late at night. Passers-by get involved in supporting the construction, which leads to the development of a collaborative atmosphere and the work becomes a social event also. The following morning the house is removed with a special truck in order to transport it to the Attersee. The route driven follows the Westautobahn to the Attersee, punctuated by a stop at a motorway service station. After arriving in the late afternoon, the house is then lifted by crane onto the water where, after safely establishing the house and making ourselves at home, the rest of the day can be enjoyed. Dusk begins to fall, the house gradually disappears into the darkness, and here the lm ends.

Der Film wurde in Echtzeit in 48 Stunden gedreht, er beginnt mit dem Bau des Hauses, das Baumaterial (Abbruchholz) wird morgens von einem Lkw angeliefert, das Haus wird bis spät in die Nacht fertiggestellt, die PassantInnen unterstützen das Projekt, die „Baustelle“ wird auch zum sozialen Event. Am darauf folgenden Morgen wird das ONE DAY HOME mit einem speziellen Lkw abtransportiert. Die Fahrt führt über die Westautobahn zum Attersee, mit einer Pause auf einer Autobahnraststätte. Nach Ankunft am späten Nachmittag wird das Haus mit einem Kran in das Wasser gehoben, man richtet sich ein, genießt den Tag im „Eigenheim“ – es beginnt zu dämmern und mit der Dunkelheit entschwindet das Haus und der Film endet. Das Projekt ist angelehnt an ein altes osmanisch-islamisches Gewohnheitsrecht, wonach ein Haus, das über Nacht auf öffentlichem Grund und Boden errichtet worden ist, nicht mehr abgerissen werden darf. Hauptthemen des Projektes sind Fragen der Autonomie und der Unabhängigkeit von großen Netzwerken, die Möglichkeiten von Selbstorganisation und das Einfordern von Rechten, im Speziellen der Grundrechte, die dem Menschen ein Recht dem Staat gegenüber gewähren.