"Halbmast" / Flagge, Fahnenmast / "Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person."

"Halbmast" / Flagge, Fahnenmast / "Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person."

Gedenkort für Menschen, die auf der Flucht verstorben sind. (Entwurf für den Stadtfriedhof Linz / St. Martin)

Der Ursprung der Halbmastbeflaggung liegt in der Seefahrt. Mit der Position der Flagge hat man militärische Niederlagen oder Siege angezeigt. Heute ist die Halbmastbeflaggung ein Zeichen der Achtung gegenüber Toten. Eine Flagge ist in der Regel ein Tuch in abstrakter zweidimensionaler Anordnung von Farben, Flächen und Zeichen in meist rechteckiger Form. Flaggen dienen zur visuellen Übertragung von Informationen über große Distanzen. Sie markieren eine Zugehörigkeit einer Gemeinschaft oder einer Vertretung. Eine Nationalflagge symbolisiert einen Staat, seine Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Einheit. Davon abgeleitet können Flaggen auch für andere Eigenschaften wie etwa für die Landessprache stehen. Diese Einheit, Unabhängigkeit und Sprache möchten wir dem Ort und den Personen geben, die mit ihm verbunden sind. Die Fahne besteht im Wesentlichen aus den Farben gelb, weiß und schwarz mit einer sphärischen Erdkugel und einer Grundrechtsatzung „Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“, die sich um die Erdkugel dreht. Grundrechte sind ein verfassungsgesetzlich gewährleistetes Recht. Sie sind in die Verfassung eingeschrieben und können eingeklagt werden. Um ein Gesetz in der Verfassung einzuschreiben oder zu verändern benötigt man im Parlament eine 2/3 Mehrheit. Die Menschenrechtskonvention ist in der Regel auch in die Verfassung mit eingeschrieben. In Österreich ist sie nicht als Gesamtpaket vorhanden, sondern in unterschied-lichen Teilen. Für die Fahne und unser Projekt haben wir bewußt dieses fundamentale Grundrecht gewählt, weil es jedem Menschen zusteht. Das Recht auf Leben ist die Vorbedingung der Ausübung aller anderen Menschenrechte und daher eine zentrale Garantie, unabhängig von der Herkunft. Mit unserem Beitrag möchten wir um die Menschen trauern, die auf der Flucht vor Krieg und Elend umgekommen sind und ein Mahnmal setzten, das die Frage aufwirft, ob in Europa genug getan wird, um diesen Menschen zu helfen, und unsere humanitäre Pflicht in Erinnerung rufen soll. Genfer Konvention / Europäische Menschenrechtskonvention Die Genfer Konventionen, auch Genfer Abkommen genannt, sind zwischenstaatliche Abkommen und eine essentielle Komponente des humanitären Völkerrechts. Sie enthalten für den Fall eines Krieges oder eines internationalen oder nicht internationalen bewaffneten Konflikts Regeln für den Schutz von Personen, die nicht oder nicht mehr an den Kampfhandlungen teilnehmen. Es sind 168 Staaten beteiligt und das Kontrollorgan ist das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). In Anlehnung an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte enthält die Europäische Menschenrechtskonven- tion (EMRK) in den Artikeln 2 bis 14 einen Katalog der wichtigsten Freiheitsrechte (Recht auf Leben; Verbot der Folter; Recht auf Freiheit und Sicherheit; Recht auf ein faires Verfahren; keine Strafe ohne Gesetz; Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens; Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; Meinungsäusserungsfreiheit; Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit; Recht auf Eheschliessung; Recht auf eine wirksame Beschwerde; Diskriminierungsverbot). Beitreten können der EMRK nur Mitgliedstaaten des Europarates, das entspricht heute 47 Mitgliederstaaten. Die Europäische Menschenrechtskonvention hat unter den internationalen Menschenrechts- abkommen eine Ausnahmestellung, weil alle in ihr garantierten Rechte von jeder Person, die sich in einem Beitrittsstaat befindet, unmittelbar vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einklagbar sind. "Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person." aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen wurde. Es stellt dort den Artikel 3 dar. (Univ.-Prof. Dr. Thomas Olechowski Leiter der Forschungsstelle für Rechtsquellenerschließung am Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte der Universität Wien)

Ihr habt ja keine Ahnung

Ihr habt ja keine Ahnung

Die Politik verträgt sich nicht mit der Pandemie

Die ungarische Wissenscha lerin Katalin Karikó wurde in ihrem Job belächelt, behindert und mehrfach entlassen. Doch ihre Forschung machte die ersten in Europa und den USA zugelassenen Corona-Impfsto e möglich. In den Siebzigerjahren kommt sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit zum ersten Mal in Kontakt mit einem Sto , der ihr ganzes Leben bestimmen wird: RNA. Ribonukleinsäure hat viele Funktionen im Körper. Eine wesentliche ist, genetische Informationen in die Zelle zu übertragen. Die RNA ist hier als Bote unterwegs, der Nachrichten der DNA überbringt. Sie wird deshalb auch messenger-RNA (mRNA) genannt – und ist der Sto , der in den Impfpräparaten von BioNTech/P zer und Moderna steckt. Sie enthalten keine Virus-Bestandteile wie viele herkömmliche Impfsto e, sondern bringen die Zellen dazu, Virusproteine herzustellen. Das Immunsystem bekämp diese Proteine und trainiert so, das Virus zu besiegen. Die Wissenscha basiert auf Fakten und nicht auf Meinungen oder Kompromissen. Ihre Herangehens- weise entspricht in vielerlei Hinsicht dem forschenden Zugang von Künstler*innen. Man recherchiert, setzt eine Arbeit um, betrachtet sie und schär sie so lange, bis man zu einer bestmöglichen Zwischenlö- sung kommt, die man dann ausstellt. In dieser Situation werden die Ausstellungsbesucher*innen Teil des Spiels, und das Ganze beginnt von Neuem. Künstler*innen untersuchen Wirkmechanismen, Relationen und die entsprechenden Techniken, um ihre Arbeit zu präzisieren. Die Politik beruht auf machtgeleiteten Meinungen und Kompromissen, die in Bezug zur Pandemie o völlig irrelevant sind. Man kann den Eindruck gewinnen, Politiker*innen hören auf genau die Expert*innen und Kolleg*innen, die ihre Meinung schlicht bestätigen, um ihre Interessen durchzusetzen. Vermutlich sind es genau diese Strukturen, an denen die Arbeit von Katalin Karikó mehrmals zu scheitern drohte – sei es aufgrund einer abhängigen Universitätspolitik oder Mobbing. Dennoch hat sie es gescha , die mRNA so zu verändern, dass sie dem Körper bei der Bekämpfung oder Verhütung von Krankheiten helfen kann. In meiner eigenen Arbeit spielt das Publikum eine große Rolle. Der Raum, der sich zwischen Betrachter*in und Kunstwerk ö net, ist wesentlicher Teil meiner Arbeit. Mit dieser Broschüre möchte ich den Haupt- akteur*innen dieses Projektes das Gefühl geben, dass sie – trotz aktuell großer Distanz – immer auch mit anderen Personen in Verbindung stehen.

"Planetenorchester" mit Anna Jermolaewa

"Planetenorchester" mit Anna Jermolaewa

 Manfred Grübl / Edition Audience Teil 1-3 / Format gerahmt 30 x 40 cm / Auflage 50 / Xerographie SW

Manfred Grübl / Edition Audience Teil 1-3 / Format gerahmt 30 x 40 cm / Auflage 50 / Xerographie SW

In Audience Edition (2020) zeigt Manfred Grübl drei Portraitzeichnungen, eine fast manische Auseinandersetzung mit seinem Gegenüber. Denn erst durch den Blick auf die jeweils anderen wird ein wesentlicher Schritt zur Selbstkonstituierung vollzogen. Wir halten uns gegenseitig den Spiegel vor. (Auszug aus dem Katalog Audience, Verlag KWI)

"AUDIENCE_Wenn ihr mich anschaut, schaue ich euch auch an". / Linda Klösel / ISBN 978-3-9519840-0-1

"AUDIENCE_Wenn ihr mich anschaut, schaue ich euch auch an". / Linda Klösel / ISBN 978-3-9519840-0-1

In Jim Jarmuschs Dokumentar lm über e Stooges erzählt Iggy Pop, wie er das Stage-Diving erfand. Er sprang in die Menge, um sich auf den Händen seines Publikums durch den Raum tragen zu lassen. Und wehe, wenn ihn keiner au ng. Er wollte seinem Publikum näher sein, seine Energie spüren und diese Klu überwinden, die ihn von seinen Zuschauer_innen trennte und zu einem Ereignis für sie machte. In Crash-mat (2005) dreht Manfred Grübl den Spieß gewissermaßen um, denn um in seine Ausstellung zu gelangen, müssen sich die Besucher_innen von einem schwergewichtigen Wrestler erst einmal auf die Matte legen lassen. Eine Frage des Vertrauens, das nicht ohne unmittelbare Reaktion aufeinander auskommt...

Katalog zur Installation in Venedig "Transition", Biennale 2019 / ISBN 978-3-903172-54-8

Katalog zur Installation in Venedig "Transition", Biennale 2019 / ISBN 978-3-903172-54-8

Schleebrügge.Editor / 92 Seiten / Texte: Andreas Spiegel, Silvia Eiblmayr

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