METRO LINE 1 / Sololnitscheskaja

Soundinstallation

Die Metro 1 / Sokolnitscheskaja wurde als erste Metro Linie 1935 in Moskau in Betrieb genommen und fährt auf der Strecke von Bulwar Rokossowskowo bis Salarjwo. Für Sowjetdiktator Josef Stalin war die U-Bahn ein Prestigeprojekt - die ArbeiterInnen wurden mit den typischen sowjetischen Propagandamaßnahmen angeworben und heroisiert. Allerdings waren die Arbeitsbedingungen denkbar schlecht und der Verschleiß an Arbeitskräften gross. Die dürftige Verpflegung und Entlohnung waren existenziell prekär und bei den Tunnelgrabungen wurde zuerst auf fortschrittliche technische Hilfsmittel verzichtet: mit Spitzhacke, Schaufel und Schubkarren mussten die ArbeiterInnen den Tunnelbau beginnen. Erst als sich herausstellte, dass die Terminvorgaben dieses Projekts ohne moderne technische Ausrüstung nicht mehr einzuhalten waren, beschloss man, eine Tunnelvortriebsmaschine aus England anzukaufen. Diese wurde dann anhand britischer Konstruktionsvorlagen nachgebaut und so war es möglich, dass die erste Metro am 6. Februar 1935 in Betrieb ging. In der Soundinstallation „Metro Line 1“ steht eine Tonaufnahme im Zentrum: Bei den SprecherInnen der automatischen Durchsagen handelt es sich um bekannte RadiomoderatorInnen. Eine weitere Besonderheit ist, dass die männliche Stimme die Ansagen stadteinwärts spricht, währende die weibliche Stimme aus der Stadt hinausführt. 3 Lautsprecher, ein Fahrplan der Linie 1 und eine Wandvertäfelung aus MDF werden zu einer Rauminstallation zusammengefügt. Die Materialien der Arbeit lehnen sich an die ursprüngliche Situation der U-Bahnen an, sie sollen auf die Anordnung der Sitzbänke an Warteräume verweisen. "Wenn ich mit der Linie 1 fahre, fahre ich über Knochen", sagte der russische Historiker Juri Prochorow. Die Stimmen der AnsagerInnen wirken angenehm, doch durch das Quietschen und Krachen der Waggons bekommt man das Gefühl, dass sich die Züge weigern, durch die Tunnelröhre zu fahren. Die natürliche Überlagerung dieser auditiven Ebenen verdeutlichen zugleich die Heroisierung und die Mühen und Opfer der ArbeiterInnen des Tunnelbaus. Es ist ein Stemmen gegen den Stalinismus der bis heute nicht aufgearbeitet wurde - vielmehr benutzt wird, um eine politische Macht zu erhalten.